Lobbying Survey Switzerland 2011
von Urs Rellstab am 23. Juni 2011 • News
Zürich, 22. Juni 2011 – Gutes Lobbying soll in erster Linie informierte Entscheidungen in der Politik ermöglichen und zeichnet sich durch Transparenz, Anteilnahme sowie Zuverlässigkeit aus. Dies geht aus der von Burson-Marsteller und gfs.bern realisierten Pilotstudie „Lobbying Survey Switzerland 2011“ hervor.
Lobbying ist im angelsächsischen Raum weitgehend akzeptiert. In der Schweiz ist das Gegenteil der Fall: der Tätigkeit des Lobbyisten haftet unverändert ein anrüchiger Geschmack an. Insbesondere die Öffentlichkeit begegnet dem Lobbying hauptsächlich als Einflussnahme zugunsten partikularistischer Interessen.
Wie aber steht es um die Wahrnehmung von Lobbying bei den relevanten Stakeholdern aus Politik und Wirtschaft? Die Studie „Lobbying Survey Switerland 2011“, realisiert von der Burson-Marsteller AG und des Forschungsinstituts gfs.bern, ist genau dieser Frage nachgegangen und fördert interessante Befunde zu Tage.
Lobbying wird mehrheitlich positiv beurteilt
Vorab: Die Resultate der Studie zeigen, dass Lobbying von den Beteiligten mehrheitlich positiv beurteilt wird. Dementsprechend werden auch die Ziele von Lobbying-Tätigkeiten gesehen. In erster Linie geht es beim Lobbyieren nämlich um das Herstellen von Informiertheit zur Entscheidungsfindung. Bereits an zweiter Stelle folgt für die Befragten die Repräsentation von Anliegen ohne Stimme und das Bewusstsein schaffen für Benachteiligte. Die Durchsetzung von Interessen jeglicher Art, was ja wiederum dem negativen Bild des Lobbyings in der breiten Öffentlichkeit entspricht, wird von den Beteiligten selber nur marginale Bedeutung beigemessen.
Wirtschaft und Umweltschutz lobbyieren am erfolgreichsten
In der Schweiz werden vor allem die Lobbying-Aktivitäten von den Wirtschaftsverbänden wahrgenommen. Auf den nachfolgenden Plätzen folgen die Umwelt- und Konsumentenorganisationen. Am wenigsten wahrgenommen wird das Lobbying von den Landeskirchen und den Think Tanks, die sich in der Schweiz, im Gegensatz zum anglo-säxischen Raum, noch nicht so richtig etabliert haben.
Das wahrgenommene Lobbying deckt sich über weite Strecken mit dem Erfolg des Lobbying. Nach Ansicht der Befragten sind es nämlich wiederum die Wirtschaftsverbände und die Umwelt- sowie die Konsumentenorganisationen, die besonders erfolgreich lobbyieren. Überraschend allerdings ist, dass die Lobbying-Bemühungen der Kantone, aber auch der Öffentlichen Verwaltung ebenfalls als sehr erfolgreich beurteilt werden.
Nur eine Minderheit spricht sich für mehr Regulierungen aus
Die Studie liefert auch einige Erkenntnisse bezüglich allfälligen gesetzgeberischen Aktivitäten in Bezug auf Lobbying-Aktivitäten. Sowohl bei Lobbyisten als auch bei den Lobbyierten findet sich keine Mehrheit, die sich für mehr Regulierungen ausspricht. Die Befragt schliessen damit an den mehrheitlich als zufriedenstellend beurteilten Status Quo und die Tatsache an, dass negatives Lobbying in der Schweiz mehr eine individuelle als eine systemische Ursache hat.
Wohin führt der Weg des Lobbying in der Schweiz?
Die Erkenntnisse der Studie lassen es zu, sechs übergeordnete Trends zur Zukunft des Lobbyings in der Schweiz zu formulieren. Erstens lässt sich eine Differenzierung der politischen Rollen beobachten. Zweitens scheint im Bereich Lobbying eine Standardisierung angebracht. Als dritter Trend wird in der Studie mehrfach die Professionalisierung des Berufstandes thematisiert. Neben dem Umstand, dass Lobbying zu einer normalen politischen Tätigkeit zwischen Intervention und Steuerung wird, sowie vermehrt von Interessenverbänden, aber auch Behörden wahrgenommen wird, konnte als sechster Trend die Funktion von Lobbying als Motor der Politik ausgemacht werden. Das heisst, dass Lobbying sehr wohl auch Initiierungs- und Thematisierungsprozesse in der Politik auslösen.
Kontakt:
Urs Rellstab
CEO Burson-Marsteller, Schweiz
urs.rellstab@bm.com
T: +41 44 455 84 00
Über die Studie: Die Studie „Lobbying Survey Switzerland 2011“ wurde von Burson-Marsteller Schweiz initiiert. Realisiert wurde sie vom Forschungsinstitut gfs.bern. Die Studie soll einen Einblick geben in Wahrnehmungen und Einstellungen zu Lobbying von relevanten Stakeholdern aus Politik und Wirtschaft. Für die Studie wurden sieben relevante Gruppen ausgewählt und befragt: National tätige Unternehmen, nationale und kantonale Politiker, Mitarbeiter der öffentlichen Verwaltung, Lobbyisten und Verbände, subventionsabhängige Branchen, Branchen mit hohem Submissionsanteil bei der Akquise und Lobbying-Agenturen. Insgesamt wurde 638 Adressaten angeschrieben. Mitgemacht haben 143, was 22 Prozent entspricht. Mit der Studie wurde eine Lücke geschlossen, denn eine vergleichbare Untersuchung für die Schweiz fehlte bisher.
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